Geschichte

Die Legende der Schokolade

Auf dem Gebiet des heutigen Mexiko, wo einst die Mayas gelebt haben, war einmal ein König. Er hieß Quetzacoatl. Er wurde auch Geflügelte Schlange genannt. Er herrschte in Tula, in einer märchenhaft reichen Stadt, über das Volk der Tolteken im 10. Jahrhundert nach Christi Geburt. Er war nicht nur ein einfacher König, er war auch der Gärtner von Eden. Dorther brachte er den Kakaobaum mit, wofür sein Volk ihn als Gott verehrte. Die Indianer hielten den Kakaobaum für den Baum Gottes, weil er ihnen zu essen und zu trinken gab. Sie machten aus der Schale Löffel und Töpfe, flochten Körbe, Netze und Seile davon, mit den Blättern bedeckten sie ihre Häuser.

Der König war sehr reich, sein Schatz war sagenhaft, er ersehnte jedoch die Unsterblichkeit. Er ging zu Tezcatlipoca, um von ihm ein Zaubermittel zu bekommen. Der böse Magier machte ihm aber einen giftigen Trank, wovon der Geist von Quetzacoatl sich trübte. In seinem Wahnsinn rannte er ans Flussufer, stieg in ein aus Schlangen geflochtenes Floß und rief: „Ich kehre im Jahr des Schilfrohrs zurück und hole mir meine Macht zurück!”

Die Azteken, die die Tolteken abgelöst haben, haben den Gärtner-Gott, der ihnen den Kakaobaum gebracht hat, nicht vergessen. Sie machten aus den getrockneten und gerösteten Kakaobohnen ein Getränk mit dem Namen „xocolatl” (bitteres Wasser), die Schokolade. Der letzte König der Azteken, Montezuma II, hatte sie sehr gern, er trank sie aus einem goldenen Humpen. Er häufte in seinem Lager ungeheure Mengen an Kakaobohnen an. (Die Bohnen dienten auch als Geld: für hundert Kakaobohnen konnte man einen Sklaven, für zehn Bohnen Liebe für eine Nacht kaufen.)

Das Jahr des Schilfrohrs ist gekommen: 1519. Eines Tages erschien ein Komet auf dem Himmel und das Land wurde von einem Erdbeben geschüttelt. Die Weisen haben prophezeit, dass Quetzacoatl am 21. April zurückkommt. Zu der Zeit war der spanische Konquistador, Hernando Cortez, gelandet. Seine Mannschaft trug Helme mit Federn, ihre Rüstung glänzte im Sonnenlicht, wie die Schlangeschuppe. Montezuma II glaubte, dass die Geflügelte Schlange zurückgekehrt ist, deshalb empfing er den Heerführer in tiefster Verehrung, bat ihm Schokolade an und „gab ihm sein Reich zurück”. Als er seinen Fehler bemerkte, war es bereits zu spät.

Das bittere, kalte Getränk schmeckte Cortez nicht besonders, er wurde jedoch auf seine durstlöschende und erfrischende Wirkung aufmerksam. Er trieb den Anbau der Pflanze an und gründete die erste Kakaoplantage des spanischen Reiches auf der Insel Haiti. Die Spanier haben die Schokolade mit heißem Wasser gemacht, mit Zucker gesüßt und mit Vanille, Zimt und Gewürznelke gewürzt. So wurde sie in Europa verbreitet und eroberte die damalige Kulturwelt.